Beiträge zur Reschitzaer

 

deutschen Schulmonographie 1919 - 1944


(Schluss)
 

von Christian Gitzing


(jetzt Cham / BRD, früher Reschitza)
Das Schulwesen der deutschen Volksgruppe in Rumänien

Im November 1940 errichtete die Deutsche Volksgruppe in Rumänien das Schulamt in Kronstadt und eine Gebietsstelle im Banat (Temeswar). Dieses erarbeitete das "Gesetz über die Organisierung des deutschen Schulwesens in Rumänien" das am 8. November 1941 erschien. Die Volksgruppe hatte jetzt die Möglichkeit, ein eigenes autonomes Schulwesen zu errichten.

Aufgrund des zwischen Bischof Augustin Pacha und dem Volksgruppenführer Andreas Schmidt am 16. März 1942 geschlossenen Abkommens gingen die deutschen Schulen des Temeswarer römisch - katholischem Bistums in die Verwaltung der Volksgruppe über. Die Volksgruppenführung verpflichtete sich, die religiöse Betreuung und den Unterricht der Religionslehre nicht zu hindern. Die Übergabe der wenigen evangelischen Schulen des Banats erfolgte am 2. Juni 1942. Die Vereinbarung zwischen dem Unterrichtsministerium und der Volksgruppe zur Übergabe der staatlichen Schulen mit deutsche Unterrichtssprache wurde am 9. September 1942 im Amtsblatt veröffentlicht. Die praktische Übernahme und Übergabe der einzelnen Anstalten an Ort und Stelle erfolgte im Laufe des Sommers und Herbsts 1942. Vom Temeswarer Bistum wurden 15 Kindergärten mit 19 Kindergärtnerinnen, 50 Volksschulen mit 129 Lehrpersonen, 3 Untergymnasien, 2 Lyzeen, eine Lehrerbildungsanstalt mit Übungsschule und zwei Lehrlingsschulen übernommen. Da die Mädchenschulen des Notre Dame-Ordens nicht in das Abkommen mitaufgenommen waren, funktionierten sie im Sinne des Partikularschulgesetzes (1925) als Ordensschulen weiter (1 Lehrerinnenbildungsanstalt, 1 Lyzeum und 5 Untergymnasien). Die genaue Anzahl der vom Staat übernommenen Kindergärten und Volksschulen konnte nicht ermittelt werden.

Schätzungsweise waren es doppelt so viele Volksschulen als von der Kirche übernommen wurden. Es waren 204 Lehrer und Lehrerinnen aus 94 Ortschaften, die auf eigenen Wunsch in den Dienst der Volksgruppe überstellt wurden (nach Kaspar Hügel). Auch jene Kinder des Streudeutschtums wurde ab 1940 erfaßt, deren Zahl nicht ausreichte, um in der Heimatgemeinde eine deutsche Schule zu eröffnen. Sie wurden in benachbarten Gemeinden in Heimen oder Familien untergebracht, um die dortige Schule besuchen zu können. Solche Ortschaften bezeichnet man als Schulzentren. Mit dem Übergang aller deutschen Schulen an die Deutsche Volksgruppe in Rumänien sei der Rumänisierungsprozeß gestoppt worden. Alle nichtdeutsche Lehrkräfte an staatlichen deutschsprachigen Volksschulen und Kindergärten wurden durch deutsche ersetzt. Dadurch konnten 188 Planstellen neu besetzt werden (61, die bis dahin von rumänischen Lehrkräften besetzt waren, 40, die unbesestzt waren, 27 neugeschaffene Stellen an bestehenden deutschen Schulen, 25 an neugeschaffenen deutschen Schulen und 35 Stellen an Kindergärten). Das autonome Schulwesen der Volksgruppe fand bereits 1944 sein Ende. So lange es bestand, hatten alle deutschen Kinder und Jugendlichen des Banats muttersprachlichen Unterricht mit eigenen, von den für die Staatsschulen abweichenden Lehrpläne. Die finanziellen Schwierigkeiten der Schule waren behoben und die deutschen Lehrer hatten seitens des Staates und durch die Zuschüsse der Volksgruppe eine weitaus bessere Besoldung als je zuvor in Rumänien. Mängel dieses volksgruppeneienen Schulwesens bestanden darin, daß ihm keine Zeit zur didaktisch - methodischen Ausreifung gegönnt, und daß es unter dem Einfluß des nationalsozialistischen Zeitgeistes ideologisch - politisch einseitig orientiert wäre (nach Kaspar Hügel). Prof. A. Lungu (Rumänischlehrerin im Lyzeum Nr. 1, Reschitza) schreibt in ihrer Schulmonographie (1969) über die Übergabe der deutschen höheren Schulen (Sekundärklassen) an die Volksgruppe in Reschitza folgendes: "Am 15. Juli 1942 traf sich Generalschulinspektor Demian mit der Werksleitung, Schulvorsitzenden, Direktor des Theoretischen Gymnasiums und Industriallyzeums und der Führung des deutschen Schulwesens und Volksgruppe in einer Konferenz, wo man die Funktionsweise der höheren Schulen der Stadt beschloß. Dem Unterrichtminister wurde ein Sonderrapport über die gefaßten Beschlüsse eingereicht. Am 5. Oktober 1942 trafen sich Chefinspektor Sabin Evatian und Anton Valentin (Vertreter der deutsche Volksgruppe) um die Vereinbarung Nr. 204018 für die höheren Schulen durchzuführen (Knaben- und Mädchenlyzeum). Die Gemeinde und die Werksleitung der UDR sollen zusammen den Volksschulunterricht der Stadt regeln. Am 23. Oktober 1942 rief der Schulinspektor vom Kreis Karasch, ªtefan Tãtatu (stammt aus Nordsiebenbürgen) alle Lehrer der rumänische Volksschulen aus Reschitza zu einer Konferenz in die Volksschule Nr. 1, um das Dekret des Unterrichtsministeriums Nr. 205737, veröffentlicht im Monitorul Oficial Nr. 239 vom 13. Oktober 1942, durchzuführen. Man sprach über die Lehrer, die im rumänischen Volksschulunterricht, bleiben wollen (die hier ihre feste Lehrerstelle hatten). Folgende Lehrkräfte wollen an der rumänischen Volksschule bleiben: Coriolan Cocora (gewesener Direktor an der deutschen Volksschule Nr. 1), Mathilde Nemeth und Stela Tietz an der Volksschule Nr. 3, Minodora Mãrãsescu und Luise Horvath, an der Volksschule Nr. 2". Leider waren weitere Informationen über die drei Volksschulen der Volksgruppe in Reschitza nicht mehr zu ermitteln. Vermutlich sind die Protokolle aus dieser Zeit verloren gegangen (oder wurden sie vernichtet ?). Zum Glück sind die Kataloge und Matrikel erhalten geblieben und so konnten die Namen der Lehrer und die Schülerzahl der einzelnen Klassen aufgezeichnet werden.

Bibliographie

1. Kaspar Hügel: "Das Banater deutsche Schulwesen in Rumänien von 1918 bis 1944" München: 1968.2. Ortfried Kotzian: "Das Schulwesen der Deutschen in Rumänien im Spannungsfeld zwischen Volksgruppe und Staat", Augsburg: 1983; S. 237 - 329.3. Kaspar Hügel: "Das Banater deutsche Schulwesen von den Anfängen bis 1944" in "Das Banat und die Banater Schwaben", Band 4, München: 1991; S. 15 - 29.4. Dr. Michael Kausch: "Schicksalswende im Leben des Banater deutschen Volkes", 1935.5. Sächsischschwäbische Chronik (Herausgegeben von Eduard Eisenburger und Michael Kroner, Bukarest: Kriterion Verlag 1976).6. Kataloge und Matrikelbücher im Archiv der Allgemeinschule Nr. 1, Reschitza.